Wann ist ein guter Zeitpunkt für die erste Nacht ohne Eltern?
Das erste Mal ohne die Eltern woanders übernachten, ist für die ganze Familie ein grosses Abenteuer.
Oft fällt uns Eltern das Loslassen genauso schwer wie den Kids das Auswärts-Schlafen. Wie ihr eure Kinder (und euch selbst) am besten auf diesen wichtigen Schritt der Selbstständigkeit vorbereitet. Die Vorstellung, allein in einer unbekannten Umgebung zu sein, kann tief verwurzelte Ängste hervorrufen. Uns Menschen liegt das Zusammenleben in Gruppen im Blut, und wir fühlen uns am wohlsten, wenn wir von vertrauten Personen umgeben sind.
Woanders übernachten müssen Kinder üben.
Alle Kinder drängt es irgendwann dazu, die Welt selbst zu erobern. Bei einigen Kindern geht es schneller, bei anderen dauert es eben etwas länger. Wenn die Familie recht aufgeschlossen ist, fällt es Kindern leichter, sich allein in der Welt zu bewegen. Wird aber eine eher abgeschottete, über behütende Familienkultur gepflegt, ist es schwerer. Einem Kind getrennt lebender Eltern, das allein mit dem Flieger zwischen Hamburg und Zürich pendelt, wird die erste Auswärts-Übernachtung wohl leichter fallen als einem Kind, das bisher immer nur von den Eltern und grundsätzlich ins eigene Bett gebracht wurde. Am besten geht man Stück für Stück vor, empfehle ich. Es ist doch so: Wer hundertmal mit den Eltern auf den gleichen Bauernhof oder in den Zoo fährt, wird dort keine Entwicklungssprünge machen. Die findet immer in genau solchen Bereichen statt, die von Kindern ein bisschen Mut erfordern.
· Doch wann und in welchem Alter ist der richtige Zeitpunkt dafür?
· Wie viel können Eltern ihren Kindern zutrauen, ohne sie zu überfordern?
· Wann ist ein guter Zeitpunkt für die erste Nacht ohne Eltern?
Irgendwann ist es bei allen Kindern soweit und es kommt die Frage: „Mama, darf ich bei meinem Freund oder meiner Freundin übernachten?“ Bei manchen Kindern tritt dieser Wunsch schon auf, wenn sie im Kindergarten sind - bei anderen Kindern erst im Vorschul- bzw. Grundschulalter. Nicht immer sind sich Eltern dann sicher, ob sie ihrem Kind eine erste Auswärtsübernachtung schon zutrauen können und dürfen. Da Kinder einfach zu verschieden und zudem in ihrer Entwicklung auch meist unterschiedlich weit sind, ist diese Frage nicht pauschal zu beantworten.
Die ersten Schritte für euer Kind
Fangt langsam an, wenn ihr ein eher ängstliches Kind habt.
Vielleicht macht ihr es so, dass ihr zuerst seine Freund/innen bei euch übernachten lasst. Wenn euer Nachwuchs sieht, wie andere Kinder Spass daran haben, woanders zu schlafen, traut es sich eher. Oder ihr lasst eure Tochter oder euren Sohn einmal bei einem vertrauten Menschen übernachten z.B. Oma, Opa, Onkel oder Tante.
Das hat wiederum den Vorteil, dass die Kinder einen engeren Kontakt mit den Verwandten pflegen und mehr Bezugspersonen bekommen. Dadurch werden sie selbstbewusster und selbstständiger.
Wichtig ist es daher, mit den ersten Malen Auswärts-Schlafen zu warten, bis das Kind selbst den Wunsch äussert. Man tut ängstlichen Kindern keinen Gefallen, wenn man sie zu früh dazu drängt, um ihr Selbstbewusstsein zu fördern. Im Gegenteil vor allem bei älteren Kindern leidet das Selbstbewusstsein erheblich darunter, wenn es dann doch schiefgeht. Jede Angst, die ein Kind selbst bewältigt, bringt es zwar einen Schritt weiter in Richtung Unabhängigkeit, aber genauso lässt jedes Mal Zurückweichen die Hürde, sich von den Eltern abzunabeln, noch höher erscheinen.
Eine erste Übernachtung auswärts ohne Eltern soll den Kindern auf jeden Fall Freude machen und gut gelingen.
Deshalb sollten Eltern zuallererst nachfolgende Punkte für sich überlegen und klären:
Handelt es sich um eine erste Übernachtung zu denen mein Kind schon Vertrauen hat?
Findet die Auswärtsübernachtung in der Nachbarschaft, im selben Ort oder in einer weiter entfernten Örtlichkeit statt?
Übernachtet mein Kind dort alleine oder mit anderen Gastkindern?
Ist mein Kind nachts schon zuverlässig sauber?
Kann mein Kind abends allein ohne Hilfe einschlafen?
Schläft mein Kind grundsätzlich durch?
Ist die Übernachtung der eigene Wunsch des Kindes, des anderen Kindes oder vielleicht sogar ein Wunsch der Eltern, die das ganz schön finden würden?
Wenn Eltern Heimweh nach ihren Kindern haben!
Aber nicht nur die Kinder müssen üben loszulassen
Vielen Eltern fällt es schwer, ihre Kinder das erste Mal allein fortzulassen. Wie ihr über die Trennung von eurem Kind trotzdem gut hinwegkommen werdet!
Fördert euer Kind:
Natürlich dürft ihr traurig sein. Aber gebt eurem Kind immer das Gefühl, dass ihr fest daran glaubt, dass es dieses Abenteuer besteht. Sonst bekommt es noch ein schlechtes Gewissen, weil es sich auf die Reise freut und euch allein lässt.
Denkt an die Zukunft:
Eure Aufgabe als Eltern ist es, euer Kind ins Leben zu entlassen. Irgendwann wird es ganz ausziehen. Auch ihr müsst lernen, durch diese Erfahrungen schrittweise loszulassen.
Denkt an euch:
Nehmt euch für die Zeit schöne Dinge vor, zu denen ihr sonst nie kommt.
Natürlich macht es einen Unterschied, ob euer Kind drei Jahre oder zwölf Jahre alt ist, wenn es das erste Mal bei anderen übernachtet. Je jünger das Kind, desto grösser ist die Gefahr des Heimwehs. Aber es gibt ein paar Tipps, wie ihr das Schritt für Schritt üben könnt und sich eure Kinder dann irgendwann auf die erste große Klassenfahrt freuen können:
Das ist die Zeit, in der Kinder anfangen, nachmittags allein Freunde zu besuchen. Meist kommt dann ganz von selbst der Wunsch, bei dem anderen zu übernachten, einfach weil das Spielen gerade so schön ist. Trotzdem kommt es selbst bei Zweitklässlern noch oft vor, dass nachts das Heimweh dann doch noch zu gross ist und sie nach Hause wollen. Doch das ist ganz normal. Wichtig ist, sich nicht darüber lustig zu machen, die Situation aber auch nicht unnötig aufzubauschen.
Denn, obwohl die Kinder einerseits erleichtert sind, wieder bei Mama und Papa zu sein, ärgern sie sich auch über sich selbst, weil sie der Mut verlassen hat und sie Heimweh bekommen. Gut ist daher, wenn die Gastgeber in der Nähe wohnen. Der gute Freund eine Strasse weiter, bei dem das Kind schon oft zu Besuch war, ist oft die bessere Wahl als eine weit weg wohnende Oma.
Am besten stehen die Chancen für einen Erfolg, wenn du den Gastgebern genau erklärst, welches Schlafritual es bei euch zu Hause gibt und die Eltern sollten auf jeden Fall erreichbar sein. Aber bitte nicht anrufen, um "Gute Nacht" zu sagen! Das könnte das Heimweh erst wecken. Ausserdem könnt ihr sie ein paar Dinge mitnehmen lassen, damit erst gar nicht die Sehnsucht nach Zuhause entsteht.
Für eure Kinder ist es ein grosser Schritt, das erste Mal woanders zu übernachten und für euch auch. Aber gemeinsam schafft ihr das schon. Ganz bestimmt!
Oft hilft Eltern schon die Beantwortung dieser Fragen, um ein Gefühl zu entwickeln, wie ideal oder eben auch nicht, die Voraussetzungen für eine erste Auswärtsübernachtung sind.
Wichtig ist auf jeden Fall, dass Eltern ihren Kindern ein sicheres Gefühl vermitteln und ihre Kinder auch loslassen. Das kann Eltern sehr schwerfallen, auch wenn es nur für ein oder zwei Nächte ist. Wenn das eigene Kind plötzlich eigene Wege gehen will, kann das Mütter und Väter durchaus verunsichern. Eltern sollten die Zeit ohne ihre Kinder möglichst geniessen und sich zum Beispiel einen schönen gemeinsamen Abend machen. So haben Kinder und Eltern etwas von der neuen Erfahrung!
Sie könnten ihrem Kind auch eine Alternative zu einer Übernachtung anbieten, wenn es zwar eigentlich gerne möchte, sich aber letztendlich doch noch nicht traut. Um sicher zu gehen, können sie einen ganzen Abend in unserer Familie verbringen, um noch gemeinsam zu spielen, gemeinsam Abend zu essen und vielleicht noch einen kurzen Film zu schauen. Das kann für Kinder auch schon spannend und eine neue Erfahrung sein. In der fremden Umgebung ist die Nähe von Mama und Papa besonders wichtig. Auch für die meisten Eltern ist es unvorstellbar, das Kind allein in einer fremden Umgebung zu lassen.
Was brauchen Kinder, um sich bei den Gasteltern sicher zu fühlen?
Wenn es soweit ist!
Wenn das Datum feststeht und die Freude über die Auswärtsübernachtung wächst, ist es an der Zeit zu überlegen, was eingepackt werden muss. Eltern sollten mit ihren Kindern sprechen und gemeinsam verhandeln und überlegen, was wirklich nützlich und sinnvoll für eine Übernachtung ist. Manche Kinder entwickeln das Bedürfnis, ihr halbes Kinderzimmer einpacken zu müssen. In diesem Fall macht es Sinn, mit den Kindern zusammen eine Liste der wichtigsten Kleidungsstücke und Gegenstände zu erstellen.
Bei uns haben Sie die Möglichkeit, bei Ihrem Kind den ersten Tag und eine Nacht zu bleiben. Es ist uns wichtig, dass Sie das Kind bei uns in guten Händen wissen, wenn Sie am nächsten Tag nach Hause reisen. So sind erste Schritte gemacht und ihr Kind kann dann selbst entscheiden, wann es den Schritt zum Übernachten wagt.
Dinge, die das Kind mitnehmen kann, um grosses Heimweh zu vermeiden.
Kuscheliger Begleiter:
Auch wenn euer Kind es uncool findet – das Kuscheltier muss mit. Es kann ja im Koffer bleiben.
Kurzer Gruss:
Ein Brief von euch, der bei der Ankunft geöffnet werden kann.
Neue Klamotten:
Ein schicker Schlafanzug oder ein neues tolles T-Shirt heben auch die Laune.
Foto:
Manchmal hilft es schon, Mama oder Papa zu sehen, um sich wieder besser zu fühlen.
Kein Handy:
Da ist die Versuchung zu gross, schnell anzurufen, wenn das Essen doof war. Der Anruf kann das Heimweh nur verstärken. Wenn es gar nicht mehr geht, werden wir sowieso bei euch anrufen.
In unserer Familie gelten andere Regeln und Rituale. Ihr Kind wird es spannend finden, dies alles kennen zu lernen. Auch das Abendessen und Frühstück wird sich anders gestalten als zuhause. Ihr Kind wird bei der ersten Übernachtung also viel erleben, neues Kennenlernen und sehr viel zu erzählen haben. Nehmen sie sich daher am nächsten Tag oder beim Abholen etwas Zeit um über das Erlebte zu sprechen. So können sie Ihr Kind bewusst bestärken. Loben Sie Ihr Kind und freuen Sie sich mit ihm, dass es die Übernachtung so gut gemeistert hat.